The Weight of the World (2013)

– Sanguine Hum

Komplexen Songstrukturen und ambitionierten Instrumentalparts zum Trotz: Sanguine Hum schaffen sich mit ihrem poppigen Progrock eine Nische, die selbst hartgesottenen Genre-Verweigerern zusagen dürfte.

Denn mal ehrlich, Gegniedel um des Gegniedels Willen reicht heute einfach nicht mehr, um noch jemanden hinter dem Ofen hervorzulocken. Stattdessen arbeiten Sanguine Hum daran, ihr selbsterklärtes Ziel zu verwirklichen, nämlich eine akustische Vermählung von Porcupine Tree und Radiohead. Das ist logisch und gut und klappt in den ersten beiden Songs From The Ground Up und System For Solution auch passabel. Steven Wilson ist im Klangkosmos der Band aus Oxford sowieso allgegenwärtig, mehr noch als Frank Zappa. Fans von beiden sind die Musiker um Sänger und Gitarrist Joff Winks ganz offensichtlich. Dass Winks, Matt Baber und Brad Waissman zuvor bereits in gleicher Besetzung an zwei anderen Projekten gearbeitet haben, ist nur förderlich für eine gute Bandchemie. Ergänzt werden die zarten Gitarren- und Synthie-Arrangements von Drummer Andrew Booker, der auch in Wilsons Band No-Man Schlagzeug spielt. Anders als bei den Vorgängerprojekten Antique Seeking Nuns und Joff Winks Band steht auf The Weight Of The World kompromissloser Spieltrieb im Mittelpunkt, getrieben von fast kindlicher Experimentierfreude. So arbeitet sich Phosphor an seiner Schwermütigkeit ab und leitet das 15-minütige Finale The Weight Of The World (Parts 1-3) ein. Das zieht stellenweise an, bleibt im Großen und Ganzen aber kontemplativ. Day Of Release hingegen flirtet mit elektronischeren Einflüssen von Aphex Twin oder Boards Of Canada und erweitert die klangliche Palette von Sanguine Hum dadurch enorm.

Sebastian Harth